FAQ

Wir brauchen doch das Geld von einem Namensgeber?

Bei der Forderung nach einem sponsorenfreien Stadionnamen entgegnen viele reflexartig, „dass doch dann das Geld fehle“. An dieser Stelle sind aber zuerst mal die Fakten zu prüfen, welches Geld dem 1. FC Nürnberg denn tatsächlich fehlen würde bei einem Wegfall des Namensgebers. Und an dieser Stelle wird es auch schon schwierig, denn welcher Betrag aus dem Namenssponsoring wohin fließt, ist nicht öffentlich bekannt. Easycredit war Exklusivpartner beim FCN und diese 0,5 Millionen Euro sind weggefallen. Dafür ist nun Grundig Exklusivpartner beim Glubb geworden. Allerdings stellt sich die Frage, warum ein Exklusivsponsoring mit dem Namensrecht am Stadion verknüpft sein muss. Bekanntlich schließt die Betreibergesellschaft einen Vertrag bezüglich des Namenssponsorings, während der Verein sich um die eigenen (Exklusiv-)Sponsoren kümmert. Ein direkter Zusammenhang ist also keinesfalls gegeben.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob die Stadionumbenennung im Jahr 2006 denn auch wirklich einen relevanten wirtschaftlichen Vorteil für den Verein ergeben hat. Zwar gab es den Pokalsieg im Jahr 2007, jedoch auch einen Abstieg im darauffolgenden Jahr. Auch finanziell gab es selten etwas zu lachen: So wurden zeitweise Fehlbeträge von über 10 Millionen Euro verkündet und die Leistungsträger konnten nur äußerst selten gehalten werden. Dass der Verein mittlerweile finanziell wieder im soliden Bereich ist, dürfte dagegen wenig mit dem Sponsoring im Bereich Stadionnamen zu tun haben. Stattdessen dürften eher überdurchschnittliche Platzierungen in der Tabelle (allerdings nicht hervorgeführt durch besonders zahlungskräftige Sponsoren!) sowie der regelmäßige Überschuss am Transfermarkt dafür verantwortlich sein.

Abgesehen von diesen finanziellen Fragestellungen bleibt jedoch auch der Aspekt, dass ein Bauwerk mit einem Sponsorennamen grundsätzlich paradox wirkt. Die Lorenzkirche, die Burg oder andere Bauwerke der Stadt werden deswegen eben nicht umbenannt, um die Instandhaltungskosten zu finanzieren. Und wenn ein umbenanntes Stadion der Vorreiter für umbenannte andere Bauwerke der Stadt sein soll, lässt das bei uns nur noch mehr die Alarmglocken schrillen.

Um die finanzielle Frage abzuschließen, stellen wir aber klar, dass wir keinen finanziellen Verlust für den 1. FC Nürnberg erreichen wollen. Wir sind der Ansicht, dass die fehlenden Einnahmen notfalls auch anders finanzierbar wären. Ein Modell wäre die Eintrittspreiserhöhung um 1,50 Euro, um den Sponsorenwegfall zu decken. Natürlich besteht aber auch Potenzial im Marketing-Bereich, um mit einem Max-Morlock-Stadion Geld zu verdienen, wenn auch eher in kleinerer Größenordnung.  

Es gab doch viele gute Glubbspieler. Warum nicht Frankenstadion?

Ohne Frage wäre eine Umbenennung des Stadions in Frankenstadion ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch sehen wir die Möglichkeit, dass sich der 1. FC Nürnberg mit einem Max-Morlock-Stadion von Vereinen ohne große Geschichte abgrenzen könnte. In Wolfsburg oder Hoffenheim wird man das Stadion mangels passender Namen kaum nach einem großen Spieler benennen können. Umso austauschbarer wirken daher Namen wie „Niedersachsenstadion“ oder „Rhein-Neckar-Arena“. Dagegen deutet beispielsweise der Name „Fritz-Walter-Stadion“ darauf hin, dass es in Kaiserslautern einen Traditionsverein gibt, der auch große Spieler hervorgebracht hat. Weiterhin birgt eine Umbenennung in Frankenstadion die Gefahr, dass jederzeit wieder ein Sponsor kommen und das Stadion umbenennen kann. Ein Stadion, das hingegen nach einem großen Spieler benannt ist, würde automatisch eine größere Hemmschwelle für Sponsoren darstellen und zudem einen größeren Aufschrei bewirken, wenn denn wieder eine Umbenennung nach einem Sponsor in Aussicht ist.

Des Weiteren zählt für uns auch das Argument, dass es neben Max Morlock noch zahlreiche weitere große Spieler in Nürnberg gab, nicht. Wir wollen dabei sicherlich nicht die Leistungen anderer Spieler herabwürdigen. Hier werden vor allem gerne die Spieler Heiner Stuhlfauth und Hans Kalb genannt, die Sensationelles für den FCN geleistet haben und in den 20er Jahren fünf Meistertitel nach Nürnberg holten. Dem werden gerne die „nur“ zwei Meisterschaften von Max Morlock entgegengehalten. Dabei ist aber zu bedenken, dass die Meistertitel auch unter ganz anderen Umständen gewonnen wurden. Während gerade in den 20er Jahren eine geniale Elf auf dem Platz stand, die zudem auch den Großteil der Nationalmannschaft stellte, spielte Max Morlock zu einer Zeit, in der die Mannschaft doch etwas niedrigere Ansprüche hatte. Dies gilt insbesondere für die Meisterschaft von 1961, in der eine Mannschaft mit dem Durchschnittsalter von 24 Jahren vollkommen überraschend mit dem 36-jährigen Kapitän Max Morlock Deutscher Meister wurde. Gerade nach der WM 1954, als Morlock hochdotierte Angebote aus dem Ausland hatte, bei denen er wahrscheinlich auch mehr Erfolge hätte holen können, blieb er Nürnberg treu. Dies ist vor allem deshalb so hoch zu bewerten, weil der FCN in den 50er Jahren kaum noch in das Geschehen um die Meisterschaft eingriff. Kein anderer Spieler verkörpert daher den Mythos FCN so gut!

Ist es nicht egal, wie das Stadion heißt?

In Zeiten von Globalisierung, Finanz- und Wirtschaftskrise sowie prekärer Beschäftigung brauchen die Leute eine Identifikation mit lokalen Bezugspunkten. Dies ist einer der wesentlichen Gründe für die große Anhängerschar des 1. FC Nürnberg, obwohl es rein sportlich gesehen sicherlich attraktivere Vereine gibt. Neben dem Verein stellt dabei auch das Stadion für viele Fans ein Identifikationsmerkmal dar, alleine schon wegen seiner in der Bundesliga ungewohnten Bauweise und weil man eben alle 14 Tage dort zu Gast ist. Und auch der Stadionname, der eng mit dem 1. FC Nürnberg verbunden ist, sollte diese Identifikation ermöglichen.

Darüber hinaus muss man feststellen, dass durch den im Fränkischen komplett unpassenden anglizistischen Namen der letzten Jahre durchaus auch ein Imageschaden für das Stadion, folglich auch den Verein und die Stadt, entstanden ist. Zumindest dies ist durch den neuen Sponsorennamen nun nicht mehr der Fall. 

Nichtsdestotrotz sind wir aber der Meinung, dass ein Verein, der sich selbst gerne den Stempel „Traditionsverein“ aufdrückt (und dies auch ist), diese Tradition auch nach außen hin verkörpern sollte. Gerade Martin Bader als Vorstand Sport und Öffentlichkeitsarbeit betont immer wieder, wie wichtig die Identität als Traditionsverein ist. Im Bereich Stadionname hinkt man hier in Nürnberg aber anderen Vereinen (wie etwa dem 1. FC Kaiserslautern) hinterher. 

Die Erfolgsaussichten für ein Max-Morlock-Stadion sind doch eher gering. Lohnt es sich überhaupt dafür zu kämpfen und sollte man nicht lieber den „Kompromiss Frankenstadion“ erstreben?

Die Forderung nach einem Max-Morlock-Stadion, die 2006 forciert wurde, war und ist in seiner Form einmalig. Anders als in allen anderen deutschen Fanszenen gab es nicht die Forderung nach dem ehemaligen Stadionnamen, sondern einen komplett neuen Namen. Ein Blick in die deutschen Stadien  im Jahr 2013 verdeutlicht es: Die Forderung nach einem Max-Morlock-Stadion im Jahr 2006 ist aus heutiger Sicht nicht hoch genug einzuschätzen. Alle anderen Fanszenen haben den Kampf gegen den Sponsorennamen aufgegeben. Es gibt zwar überall noch eine Zaunfahne und auch sonst ein paar Schals oder T-Shirts, die den ehemaligen Namen aufrecht erhalten sollen, aber ansonsten? Anders sieht es in Nürnberg aus: Mit der großen Forderung nach einem Max-Morlock-Stadion wurde immer wieder Aufmerksamkeit erregt und und ein Namensgeber zog sich zurück, ohne dass sich ein neuer Sponsor in Startposition gebracht hatte. Über ein halbes Jahr war der Stadionname sogar wieder sponsorenfrei - ein Novum in Deutschland.   

Dass die Kampagne für ein Max-Morlock-Stadion auch darüber hinaus nicht umsonst war, lässt sich auch an anderen Faktoren ablesen: Im Bereich Kommerzialisierung ist der FCN doch im Bundesliga-Vergleich relativ zurückhaltend. Dies wird auch gerne von den Verantwortlichen beim Verein betont. Auch das ist ein Erfolg der jahrelangen Kampagne für ein Max-Morlock-Stadion.

Im Übrigen stehen die Namen Frankenstadion und Max-Morlock-Stadion unserer Ansicht nach nicht in Konkurrenz zueinander. Stattdessen sind beide Namen Optionen - und somit ein Gegenpol -zur kompletten Kommerzialisierung. Ein Frankenstadion wäre für uns zwar nicht die 100-prozentige Lösung, jedoch ein Ergebnis, mit dem wir sicher leben könnten. Mit unserer großen Forderung können wir also gerade im Kleinen viel erreichen und wenn das Stadion schlussendlich wieder Frankenstadion heißen sollte, wäre dies sicherlich auch auf die Forderungen der Kampagne zurückzuführen und ein kleiner Erfolg.   

Die Umbenennungen in „Stadion Nürnberg“ und „Grundig-Stadion“ haben doch gezeigt, dass ein Max-Morlock-Stadion nicht umgesetzt werden soll oder kann. Warum legt ihr die Kampagne dann nicht ad acta?

Zuerst einmal, weil der Großteil unserer wesentlichen Argumente auch weiterhin Bestand hat. Des Weiteren ist der Zug Richtung Max-Morlock-Stadion aber auch noch lange nicht abgefahren. Laut Aufsichtsratmitglied Günther Koch ist die Umbenennung in Grundig-Stadion eine „Etappe auf dem Weg zum Max-Morlock-Stadion“. Diese Aussage wird er sicherlich nicht aus Spaß an der Freude getroffen haben, sondern eher weil die Bestrebungen nach einem Max-Morlock-Stadion auch zu den Sponsoren durchgedrungen sind. Auch wir gehen davon aus, dass der Name Max-Morlock-Stadion in den nächsten Jahren verwirklicht wird. Ebenso glauben wir daran, dass dabei auch die finanziellen Hürden zu meistern sein werden.   

Das „easycredit-Stadion“ ist Geschichte, mit dem Namen „Grundig-Stadion“ kommen viele besser zurecht. Ist das nicht der richtige Zeitpunkt, die Kampagne zu beenden?

Definitiv nein. Wir haben schon in der Antwort zuvor erklärt, warum wir weiterhin an den Namen Max-Morlock-Stadion und seine Realisierung glauben.

Darüber hinaus ist der Name Grundig-Stadion für uns aber auch nicht zufriedenstellend. Natürlich respektieren wir die Tatsache, dass die Historie der Firma in Nürnberg liegt und diese auch schon vor Jahrzehnten als Trikotsponsor beim Glubb in Erscheinung trat. Inwieweit das Unternehmen heute noch in Nürnberg verwurzelt ist oder etwas mit dem Verein zu tun hat, wollen wir an dieser Stelle gar nicht beurteilen. Allerdings ist unser Kampf für das Max-Morlock-Stadion eben auch ein Kampf für einen sponsorenfreien Stadionnamen. Wir wollen diesem Schritt der Kommerzialisierung des Fußballs entgegentreten. Eine Diskussion „guter Sponsor – böser Sponsor“ kann es für uns in diesem Zusammenhang nicht geben. Die Diskussion muss sich um „Sponsor – ja oder nein“ drehen. Und hier haben wir unsere Antwort gefunden: Nein zum Namenssponsoring vom Nürnberger Stadion!

Nicht vergessen darf man, dass der Kampf fürs Max-Morlock-Stadion auch ein Kampf für Max Morlock und die historische Verankerung seines Lebenswerks ist. Nur weil der „worst case“-Sponsor abgesprungen ist, wurde in dieser Richtung aber noch gar nichts erreicht. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Sponsoren nicht: Beide haben dem Stadion ihren eigenen Unternehmensnamen aufgedrückt.